Blick in die Zukunft dank Brosius-Gersdorf

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Die arme Frau: Da legt sie sich und ihre berufliche Karriere in die Waagschale für ein ehrenvolles Amt am Bundesverfassungsgericht und gerät bedauernswerter Weise zwischen die Mahlsteine widerstreitender Kräfte in der Politik.

Aber aber: Was hat die gute Frau denn so schlimmes gesagt?
Sie vertritt eine „liberale Haltung“ zur Abtreibung und eine weniger liberale Haltung zur Impf-Freiheit. Ist das ein Widerspruch?

Mein Bauch gehört mir, mein Immunsystem dem Krisenstab der Bundesregierung! Da wird lediglich das ausgesprochen, was seit min. vier Jahren genau so praktiziert wird. Und abgesehen von ein paar Montagspaziergängen mit bis zu drei Millionen Teilnehmern hat sich doch auch niemand daran gestört.

Die Würde des Menschen… ist abhängig von der Inzidenz, vom R-Wert, von der dynamischen Lage einer Pandemie, vom Entwicklungsstand des Impfstoffes…

Selbstversändlich müssen wir nach dem ersten aufgestoßenen Türchen auch nach und nach an den weiteren Türchen rütteln:
Wertes und unwertes Leben?
Wann beginnt der Mensch ein Mensch zu sein?
Wann hört der Mensch auf, ein Mensch zu sein?
Wo hört die Würde auf, Würde zu sein?

Diese schweren Fragen werden von Medizinern, Juristen und Politikern fleißig beantwortet, solange der Souverän nicht das Heft in die Hand nimmt und die Diskussion übernimmt.

Die Bürger sollten die Meinungsbildung voran treiben, Parteien sollen lt. Grundgesetz lediglich daran „mitwirken“. In den Kneipen und Cafés, in der Kantine und am Familientisch, in der Sportumkleide und an der Kegelbahn beginnt die Diskussion, entwickelt sich die Bildung einer Meinung. Und in Talkrunden und Podiumsdiskussionen mit Bürgervertretern wird diese Entwicklung fortgesetzt. Die Aufgabe der Medien ist das Übertragen von Nachrichten, nicht das Generieren derselben.

Danke Frau Brosius-Gersdorf, dass Sie uns die Zukunft gezeigt haben: Wenn die Bürger nicht gemeinsam ihre Debattenräume pflegen und ihre Ergebnisse öffentlich machen, werden die großen Fragen unserer Zeit von selbsternannten Sittenwächtern und Moral-Aposteln mit einem klaren Ja oder Nein festgeschrieben und in Gesetze gegossen.

Wir können uns das gern noch eine Weile als Zuschauer betrachten. Oder wir beginnen, auf die die Bühne zu treten und als mündige Bürger die Antworten auf die drängensten Fragen eines gesellschaftlichen Miteinanders selbst zu benennen.

Es besteht also kein Grund, Frau Brosius-Gersdorf zu verurteilen. Sie vertritt Ihre Meinung und diese Freiheit ist ihr nach dem Grundgestz zugebilligt. Es geht lediglich darum, auch die Stimmen der Bevölkerung wieder hörbar zu machen.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhaltet eben auch das Recht auf faire Veröffentlichung dieser Meinungen…



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